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Ackerpost


Ackerpost September Oktober 2026

Ein Herbst voller Dankbarkeit, lebendiger Böden und gemeinsamer Ernte

Zwei Wochen Urlaub – ein schöner Luxus

Im September durfte ich mir etwas gönnen, das in den vergangenen fünf Jahren kaum möglich war: zwei Wochen Urlaub in Norwegen am Stück! Für mich als Gärtnerin ein echter Luxus. Zum ersten Mal seit fünf Jahren konnte ich mir eine Auszeit nehmen, ohne am Ende der Saison völlig ausgelaugt in die Winterpause zu gehen – und diese erst einmal mit zwei Wochen Krankheit zu beginnen.

Das ist alles andere als selbstverständlich. Deshalb möchte ich an dieser Stelle von Herzen Danke sagen: Danke an alle, die uns unterstützen, mitarbeiten und mittragen. Danke für eure Zeit, eure helfenden Hände und euer Vertrauen. Ihr habt es möglich gemacht, dass ich mir diese Pause nehmen konnte. Das bedeutet mir sehr viel!

Gründüngung – eine Basiskur für unsere Beete

Auf vielen bereits abgeernteten Beeten wachsen inzwischen Phacelia und Buchweizen. Sie bedecken den Boden, bringen Leben in die Beete und bereiten sie auf die kommende Saison vor.

Die Gründüngung war schon lange ein Wunsch von mir. Bisher fehlten mir neben all den anderen Aufgaben schlicht die Kapazitäten, diesen wichtigen Baustein konsequent umzusetzen. Dank unserer personellen Verstärkung durch Tobi ist das nun endlich möglich.

Ich höre es förmlich, wie unser Bodenleben aufatmet und sich freudig an die Arbeit macht! Wurzeln durchziehen den Boden, Mikroorganismen werden versorgt und zahlreiche Bodenlebewesen finden Nahrung und Lebensraum. Die Pflanzen schützen den Boden und tragen dazu bei, seine Struktur und Fruchtbarkeit zu verbessern.

Wir investieren heute in einen lebendigen Boden, von dem wir im kommenden Jahr beim Gemüseanbau profitieren werden. Denn gesunde, fruchtbare Böden sind die Grundlage für gesundes Gemüse – und für eine Landwirtschaft, die langfristig denk

Mehr Platz für Obst, Tiere und Vielfalt

Wir haben eine zusätzliche Fläche gepachtet: unseren Obstgarten! Damit eröffnen sich für unsere Gemeinschaft viele neue Möglichkeiten.

  • Obst für unsere Gemeinschaft: Ein weiterer Schatz, den wir gemeinsam pflegen und genießen dürfen.
  • Mehr Weidefläche für unsere Enten und Hühner: Unsere gefiederten Helfer bekommen zusätzlichen Raum.
  • Platz für Kompostmieten und Kürbishügel: Wir schaffen Raum für weitere Kreisläufe und Anbaumöglichkeiten.

Natürlich bringt die zusätzliche Fläche auch neue Aufgaben mit sich. Pflege, Gestaltung und Bewirtschaftung benötigen Zeit, Kraft und Ressourcen. Eine besonders wertvolle Maßnahme ist dabei die geplante beziehungsweise entstehende Totholzhecke als Einfassung des Obstgartens.

Totholz ist alles andere als wertlos! Es bietet Lebensraum, Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten für zahlreiche Tiere und unterstützt die Artenvielfalt. Zusammen mit den Obstbäumen, Wiesenflächen und unterschiedlichen Strukturen entsteht ein vielfältiger Lebensraum.

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Gerade Vögel und Insekten profitieren von ihrem abwechslungsreichen Aufbau: Baumkronen, Sträucher, Wiesen, Totholz und Boden bieten ganz unterschiedliche Lebensbedingungen.

So wächst unser Obstgarten nicht nur zu einem Ort der Ernte, sondern auch zu einem wertvollen Ort für Biodiversität und Naturerleben.

Reich gefüllte Gemüsekisten trotz Hitze und Trockenheit

Was für eine Freude, wenn wir Woche für Woche unsere Gemüsekisten mit gesundem, frischem Gemüse füllen können! Auch in diesem Jahr haben wir wieder erlebt, wie viel möglich ist – selbst unter schwierigen Bedingungen.

Die Hitze und Trockenheit haben unseren Pflanzen einiges abverlangt. Umso erfreulicher ist es, dass wir insgesamt eine reiche Ernte einfahren konnten. Unser Fenchel war nahezu die einzige Kultur, die vorzeitig in die Blüte geschossen ist. Bei den meisten anderen Kulturen konnten wir uns über eine gute Entwicklung freuen.

Die Kürbisernte ist allerdings geringer ausgefallen als erhofft. Hier hat uns das fehlende Wasser deutlich zugesetzt.

Anfang September hieß es dann, schweren Herzens die Gewächshäuser auszuräumen. Die letzten Tomaten und Gurken wanderten in die Gemüsekisten. Jedes Jahr ist das ein wehmütiger Moment, denn mit den letzten Früchten endet wieder ein Stück des sommerlichen Gartenjahres. Gleichzeitig müssen die Gewächshäuser rechtzeitig für die Herbst- und Winterkulturen vorbereitet werden. Würden wir mit dem Ausräumen zu lange warten, fehlte uns die Zeit für die Ernte von Oktober bis Dezember.

Unsere Paprika: ausprobieren, beobachten, dazulernen

Bei den Paprika haben wir in diesem Jahr etwas ausprobiert: Wir haben versucht, die Pflanzen beziehungsweise ihre Früchte in den Tunneln aufzuhängen, um die Reife besser auszunutzen.

Das hat besonders bei der Snackpaprika Flynn und der Roten Augsburger sehr gut funktioniert. Mit der Sorte Fritz hatten wir dagegen weniger Erfolg. Sie reift unter unseren Bedingungen einfach zu spät ab – und das können wir auch durch das Aufhängen nicht ausreichend ausgleichen. Deshalb werden wir Fritz im nächsten Jahr nicht mehr anbauen.

Genau das gehört für mich zum Gärtnern dazu: beobachten, ausprobieren, Erfahrungen sammeln und daraus lernen. Nicht jede Sorte passt zu jedem Standort und zu unseren Anbaubedingungen. Aber jeder Versuch bringt uns ein Stück weiter.

Wunderschöne Karotten – mit kleinen Mitessern

Unsere Karotten sind wunderschön geworden! Umso ärgerlicher ist es, dass inzwischen die ersten Wühlmäuse Gefallen an ihnen gefunden haben.

In den betroffenen Bereichen müssen wir die Karotten nun früher ernten, als mir lieb ist. Eigentlich würde ich sie gerne möglichst lange im Boden lassen – als eine Art natürlichen Lagerraum, direkt vor unserer Kühlzelle. Das funktioniert allerdings nur, solange uns die Wühlmäuse nicht zuvorkommen.

Auch hier heißt es, aufmerksam bleiben, abwägen und den richtigen Zeitpunkt finden. Der Garten hält uns eben immer wieder auf Trab!

Gemeinsam schaffen wir den Endspurt

Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, bin ich unglaublich dankbar für die starke Beteiligung bei der Mitarbeit auf dem Acker. Bei unseren Aktionstagen waren viele fleißige Helferinnen und Helfer dabei, und auch die Ernteteams am Montag und Freitag haben großartig zusammengearbeitet.

Es ist schön zu erleben, wie viele Menschen sich mit Zeit, Kraft und Herz für unsere SoLaWi einsetzen. Eine solche Gemeinschaft macht den Unterschied – nicht nur für die Ernte, sondern auch für das Gefühl, gemeinsam etwas Sinnvolles zu schaffen.

Ab Oktober lässt die Unterstützung erfahrungsgemäß etwas nach. Die Bedingungen auf dem Acker werden herausfordernder, die Tage kürzer und viele Mitglieder haben ihre Mitarbeitstunden bereits geleistet. Trotzdem bekommen wir den Endspurt gut hin.

Eine große Erleichterung ist dabei unsere Kühlzelle, die wir über ein Balkonkraftwerk betreiben. Dadurch können wir Gemüse vorernten und zwischenlagern. Wir gewinnen Flexibilität bei der Ernte und können die anfallenden Arbeiten besser verteilen.

Was für eine Erleichterung! Gerade in dieser arbeitsreichen Zeit zeigt sich, wie wertvoll durchdachte Infrastruktur und gemeinschaftliches Engagement sind.

Danke, dass ihr Teil dieser Gemeinschaft seid!

Der Herbst ist für mich immer eine besondere Zeit. Einerseits blicken wir auf das zurück, was gewachsen ist und geerntet werden konnte. Andererseits legen wir bereits die Grundlagen für das kommende Jahr: Wir pflegen unsere Böden, erweitern unsere Möglichkeiten und schaffen Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Nicht alles gelingt wie geplant. Manches fällt kleiner aus, manches braucht mehr Zeit und manches müssen wir neu überdenken. Aber wir lernen dazu, entwickeln uns weiter und können auf vieles stolz sein.

Vor allem aber dürfen wir erleben, was entsteht, wenn Menschen gemeinsam anpacken und Verantwortung übernehmen.

Danke für eure Unterstützung, eure Mitarbeit und eure Verbundenheit mit unserer SoLaWi. Ihr macht es möglich, dass hier nicht nur Gemüse wächst, sondern auch Gemeinschaft, Artenvielfalt und ein lebendiger Boden für die Zukunft.

Herzliche Herbstgrüße

eure Gärtnerin Ruth